Spielsucht verändert alles - auch unser Gehirn

In Anlehnung an Franz Grillparzer möchte man sagen: Nicht nur Eifer-, sondern auch Spielsucht, ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Schnell im Vorübergehen am Glücksrad drehen? Mal kurz in das „Los-Eimerchen“ bei der Vereinsfeier greifen? Womöglich einen Hauptgewinn freirubbeln? Wer kann dazu schon „nein“ sagen. Und wenn sich ganze Familien vor Bildschirmen versammeln, um die Ziehung der Lottozahlen live zu erleben – sind das nicht alles bescheidene, vollkommen harmlose Glücksmomente, getragen von der heimlichen Hoffnung, doch einmal das große Los zu ziehen? 
Ja, tatsächlich ist es für einen Teil von uns nicht gefährlich, ab und zu das Glück herauszufordern. Doch für einen anderen Teil, für schätzungsweise 500.000 Menschen, kann sich diese Neigung problematisch entwickeln – letztendlich steht die Zahl von ca. 180.000 krankhaften Spielern (im Englischen als „pathological gambler“ bezeichnet) in Deutschland im Raum. Erfasst werden Betroffene erst, wenn sie endlich professionelle Hilfe suchen. Da Glücksspiel äußerst erträglich ist (weniger für die Spieler als für die Anbieter) wird der Einstieg kinderleicht gemacht: Da gibt es zum Beispiel im Online-Casino gleich einen Startbonus, tolle Online-Spiele sind gratis und wenn der Nutzer erst einmal „angefüttert“ ist und „mehr“ will (etwa einen fähigeren oder besser ausgestatteten Avatar), wird er dafür zur Kasse gebeten. Wobei auch die Kosten oft nicht unverblümt als solche daherkommen, sondern sich, insbesondere in (Online-)Casinos unter anderem hinter Jetons oder Punkten verstecken – das Bewusstsein, dass hier reelles Geld auf dem Spiel steht, wird so getrübt. Ein kleiner Erfolg/eine geringe Ausbeute geben ein gutes Gefühl (juhu – gewonnen!). Doch auch wenn sich das Blatt wendet (das passiert recht schnell, denn es entspricht dem Prinzip des Glücksspiels, dass mehr verloren wird, als gewonnen) lässt ein echter Gambler nicht locker in der unerschütterlichen Hoffnung, den manifestierten Verlust durch einen Gewinn in spe wettzumachen. Verloren gehen dabei nicht nur die Selbstkontrolle, viel Zeit und Geld, sondern häufig auch Freunde, die Familie und nicht selten (bei krankhaft Süchtigen) der Arbeitsplatz.

Warum und wie verändert (Spiel-)Sucht das Gehirn?

Unser Körper hat ein Belohnungssystem. Chemische Botenstoffe, etwa Dopamin, fluten bei außergewöhnlichen, positiven Erlebnissen unser Gehirn, so dass wir Freude (bis hin zur Euphorie) empfinden. Erleben wir nun einen solchen „Kick“ beim „Zocken“, treibt uns das zur Wiederholung an; durch häufige Wiederholung aber ist dieser Reiz immer weniger außergewöhnlich; wir müssen das Ganze intensivieren, um erneut ähnlich positive Gefühle zu erzeugen – unser Gehirn will immer mehr (wie bei anderen Süchten auch).
Erstaunlich lang kann sich Spielsucht vor Bekannten, Freunden und der Familie verstecken – wer also fürchtet, davon betroffen oder gefährdet zu sein, sollte nicht zögern, sich umgehend und rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen. Bevor es heißt: rien ne va plus!
 
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